Kunstkreis Wil
Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar. (Paul Klee)
 
 
 

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Ausstellungsbesuch: Heinrich Weber im Ortsmuseum Oberuzwil. Dienstag, 29. Januar um 14.30 Uhr.

Anbei der Zeitungsartikel im St. Galler Tagblatt vom 11.1.2019

Seit der Oberuzwiler Heinrich Weber malt, sieht er die Welt mit anderen Augen

Seit seiner Pensionierung malt der Oberuzwiler Heinrich Weber leidenschaftlich. Inspiration findet er nicht nur in exotischen Ländern, sondern auch in der Region. Das Ortsmuseum zeigt eine Serie von Bauernhöfen.


Heinrich Weber vor einigen gemalten Reiseerinnerungen.

Andere machen Fotos, Heinrich Weber malt. Auf seinen Reisen hat der Oberuzwiler Pensionär stets Papier, Pinsel und eine kleine Aquarellpalette bei sich. Dutzende von Aquarellen bringt er jeweils mit nach Hause. Sie zeigen sandfarbene Festungen in Marokko – sogenannte Kashbas –, verwinkelte Gässchen in Frankreich, mediterrane Dörfer in Griechenland. «Es sind schöne Erinnerungen», sagt Weber, während er durch ein dickes Album mit Aquarellen seiner Erkundungen blättert.

Aber nicht nur die Ferne inspiriert Weber, auch die Nähe, die bekannte Umgebung. In den letzten zehn Jahren hat er eine Serie von 25 Bauernhöfen aus der Umgebung gemalt. 21 davon hat er dem Ortsmuseum Oberuzwil geschenkt, welches seine Bilder nun ausstellt. «Jeder Bauernhof ist ein Unikat in seiner Grösse, seiner Struktur, seiner äusseren Ausprägung», sagt Weber. Ihre Einzigartigkeit und Vielfalt mache sie zu spannenden Sujets.

Das Ortsmuseum stellt Webers Serie von Bauernhöfen aus.

Die Bauernhöfe führen aber auch in die Kindheit Webers im ländlichen Aargau zurück. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er auf den Nachbarhöfen mit. «Ich war stark in den bäuerlichen Tagesablauf einbezogen, half beim Holzen oder auf dem Feld», erinnert er sich. Besonders die einschneidende Lebensmittelrationierung zeigte ihm die grosse Bedeutung der Bauernhöfe auf. «Sie stellten damals das Zentrum des Lebens dar», sagt er.

Zwei scheinbar gegensätzliche Welten

Weber malte schon als Kind gerne, doch bis er seine Leidenschaft zu dem intensiven Hobby machen konnte, das es heute ist, dauerte es. Sein Beruf als Maschineningenieur bei der Bühler AG liess wenig Platz und Musse für das Malen. «Ich hatte schlicht keine Zeit», sagt er. Nach der Pensionierung drängte seine Leidenschaft umso stärker nach Verwirklichung. Während mehrerer Jahre absolvierte Weber an der Schule für Gestaltung in St. Gallen eine künstlerische Ausbildung. «Ich lernte viel über Bildgestaltung, Farbenlehre und Kunstgeschichte.» Seine Reisen wurden zu Malreisen, bald konnte er erste Werke ausstellen. «Die Malerei war eine völlig andere Welt als mein doch sehr rationales Berufsleben», sagt er. Noch heute staunt er darüber, dass sie ihn so fesseln konnte. «Ich hätte nie gedacht, dass das Malen für mich eine so wichtige Sache wird.»

So gegensätzlich, wie die künstlerische und berufliche Seite von Webers Leben auf den ersten Blick erscheinen, sind sie aber nicht. In der Berufsausbildung lernte er das technische Zeichnen. «Mit der Perspektive und der Geometrie war ich darum vertraut.» Geschäftsreisen führten ihn in den arabischen Raum – etwa in den Iran, nach Syrien oder Marokko –, den er heute auch als Maler schätzt. «Marokko ist ein spannendes Land zum Malen. Alles ist voller Farben.»

Vom Gegenstand zur Abstraktion

Von Webers Gebäuden und Städtchen ist der Weg zu abstrakten Bildern nicht mehr weit – Webers zweitem künstlerischen Schwerpunkt. Die Stadtansichten werden freier, aus Wänden werden blosse Formen und Farbflächen. «Es macht mir Spass, zu abstrahieren und zu vereinfachen.» Manchmal weist bereits die Realität eine abstrakte Note auf: «Die Landschaft Griechenlands etwa ist sehr spärlich und abstrakt, sie liefert nur wenige Farben.»

Andere Bilder entstehen gänzlich ohne konkretes Pendant in der realen Welt. «Abstrakt zu malen braucht viel Energie, mehr als realistisch zu malen», erklärt er. «Ein abstraktes Bild braucht eine Idee, eine Aussage, die ich umsetzen kann.»

Zuerst schauen, dann malen

Wenn Weber malt, dann draussen, vor Ort – so wie seine Vorbilder, die Impressionisten des späten 19. Jahrhunderts. «Das macht die Bilder lebendiger, als wenn man sie nach einer Vorlage zeichnet. Man nimmt die Umwelt wahr, die Geräusche.» Und natürlich nehmen ihn auch die anderen wahr: Auf einer Reise im Iran weckte er das Interesse der lokalen Bevölkerung. «Eine Frau brachte mir einen Stuhl zum Sitzen, eine andere einen Tee, und wieder eine andere einen Eimer mit Wasser, um mir die Hände zu waschen», erinnert er sich schmunzelnd.

Bevor er den Pinsel in die Farbe taucht, setzt Weber sich jeweils hin und schaut, studiert die Farben, das Licht, den Schatten. «So kriege ich sehr viel mit», sagt er. Die Welt sieht Weber mittlerweile ganz mit Maleraugen. «Die Malerei hat mich gelehrt, genau hinzuschauen und aufmerksam durch die Welt zu gehen.»